Raus aus der Wutfalle! - DAK-Gesundheit

Raus aus der Wutfalle!

Der Anlass kann ganz nichtig sein. Zum Beispiel ein Stau. Vielleicht haben wir einen wichtigen Termin und wissen, jetzt schaffen wir es definitiv nicht mehr pünktlich. Und plötzlich ist sie da: die Wut. Eine Mischung aus großer Ungeduld, zügelloser Erregung und dem Gefühl der Machtlosigkeit. Puls und Atmung beschleunigen sich – wir sind sprichwörtlich auf „180“. Wir fangen an zu zittern, die Körperhärchen richten sich auf. Mund und Kehle werden trocken, die Stimme wird laut, die Sprache schnell. Am liebsten würden wir sofort unserem Impuls folgen und all den „Idioten“, die sich mit uns im Stau drängeln, zeigen, wo der Hammer hängt.

Experten beobachten, dass wir diesem hitzigen Gefühl, das uns blind und taub macht und uns gegenüber jeder Vernunft immun werden lässt, offensichtlich immer häufiger nachgeben. Von Wutbürgern ist die Rede, die sich in Rage reden und hemmungslos werden. Doch damit schaden sie nicht nur anderen – sondern vor allem sich selbst.

Glücklicherweise sind wir dem Gefühl nicht hilflos ausgeliefert. Erkennen wir den Mechanismus, können wir lernen, besser damit umzugehen. Dazu ein paar spannende Fakten:

1. Wut aus Überforderung

Wir leben in einem Zeitalter der Beschleunigung: Wir müssen viel leisten, schnell reagieren, stehen oft unter Konkurrenzdruck und gönnen uns kaum Auszeiten. Das macht uns dünnhäutig. Also lieber rechtzeitig einen Gang herunterschalten und für notwendige Pausen sorgen.

2. Ein Gefühl der Minderwertigkeit

Wut kann zum Kontrollverlust führen. Auch schlechte Jobperspektiven gepaart mit enttäuschten Erwartungen lassen Solidarität schwinden und Feindseligkeit wachsen. Dafür stehen Ausländerfeindlichkeit und Hasstiraden gegen Flüchtlinge. Das Gefühl von Minderwertigkeit wird nach außen transportiert, man sucht „Schuldige“, die für die eigene Misere verantwortlich gemacht werden.

3. Je enger und heißer, desto aggressiver

Stresspsychologen haben festgestellt, dass das Gefühl Wut in Großstädten schneller zum Ausbruch kommt. Je enger wir aufeinander hocken, desto aggressiver wird das Miteinander. Und auch die Temperatur spielt dabei eine Rolle, das zeigen Studien der Princeton University in New Jersey. Im Sommer, wenn hohe Temperaturen Städte im wahrsten Sinne des Wortes zum Schmelztiegel werden lassen, herrscht eine deutlich größere Gewaltbereitschaft als in kühleren Monaten. Also ab aufs Land, wenn es mal wieder hitzig wird.

4. Wut kann zum Kontrollverlust führen

Psychologisch gesehen sind Wutanfälle ein Super-Gau: Wir verlieren komplett die Kontrolle über uns und unsere Handlungsweisen. Und geben damit ein wertvolles Werkzeug aus der Hand. Wut ist gut, weil sie eine notwendige, berechtigte Emotion ist. Nur Kontrollverlust ist schlecht. Das unterscheidet uns von Tieren, die nur aggressiv werden. Einmal angestachelt, sind sie nicht in der Lage, ihre Aggression im Zaum zu halten. Doch wir haben die Wahl: Wir können lernen, unseren Impulsen nicht kopflos zu folgen und stattdessen angemessen reagieren.

5. Wutanfälle steigern die Wut

Der Wissenschaftsautor Stefan Klein hat in seinem Buch „Die Glücksformel“ mit einem Vorurteil aufgeräumt: „Viele glauben, ein Wutanfall würde sie von der Wut befreien,” sagt er dort. Doch das Gegenteil sei der Fall. „Die Vorstellung, dass das Gehirn ein Dampfkessel sei, wo negative Gefühle als Druck sich stauen könnten und deswegen abgelassen werden müssten, ist sogar schädlich“, so der Autor. Tatsächlich ist es so: Wutanfälle steigern die Wut. Denn biochemisch ebnen wir im Gehirn der Wut für künftige Situationen den Weg – und wir reagieren mit immer größerer Wut auf entsprechende Situationen. Schaffen wir es dagegen, uns zu beherrschen, profitieren wir doppelt: Wir mindern die Wahrscheinlichkeit, auszuflippen, weil die Verbindung zwischen Reizauslöser und Reaktion geschwächt wird. Und wir stärken die Fähigkeit, solche Emotionen im Zaum zu halten und eben gerade nicht die Beherrschung zu verlieren.

6. Kontrolle ist Trumpf!

Die erlösende Nachricht für alle Choleriker: Die Kontrolle über Wut und Ärger lässt sich trainieren. Wichtig dafür ist, Gefühle bewusst wahrzunehmen. Erster Schritt in diese Richtung: auf Abstand gehen und eine Runde um den Block drehen. Denn tief durchzuatmen und sich zu beruhigen sind die Voraussetzungen für einen klaren Verstand. Und dann sind wir bereit, uns entscheidende Fragen zu stellen und diese richtig zu beantworten: Wie wichtig ist mir die Sache? Sind meine Gedanken und Gefühle angemessen? Kann ich an der Situation überhaupt etwas ändern?

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Foto: A.Goodman/Unsplash