Lass das Vergleichen, bleib bei dir! - DAK-Gesundheit

Lass das Vergleichen – bleib bei dir!

Wer mit einem Zwilling aufgewachsen ist, kann vom Vergleichen ein Lied singen. Unwillkürlich wandert der Blick anderer hin und her. Schon von klein auf wird eingeteilt in höher, schneller, weiter, lebhafter. Wer läuft zuerst? Wer spricht besser? Wer hat die Nase vorn im Sport? Und wer ist besser in der Schule?

Vergleichen: Konkurrenz belebt das Geschäft

Doch auch ohne Zwilling beginnen wir ganz von selbst sehr früh mit dem Vergleichen. Dafür müssen dann andere Geschwister oder beste Freunde herhalten. Grundsätzlich ist das menschlich. Wir sind soziale Wesen und wollen uns einordnen in das Gefüge. Und ein bisschen Konkurrenz bringt doch auch Schwung in die Bude: Mit anderen um die Wette eifern, miteinander raufen, sich orientieren, das spielt schon im Kindergarten eine wichtige Rolle und ist eine gute Entwicklungserfahrung.

Jeder kann etwas, keiner kann alles

Selbst die Erfahrung, nicht den ersten Platz zu machen oder etwas nicht so gut zu können wie ein anderer, ist eine wichtige Lektion im Leben – trotz der Enttäuschung. Denn so lernen wir, dass immer beides dazugehört: Siege und Niederlagen. Dauerhaft unglücklich ist nur derjenige, dessen Leben sich nur noch um den Wettbewerb mit anderen dreht – und der die Vielfältigkeit seiner eigenen Ressourcen aus dem Blick verliert. Vielleicht ist man nicht der Schnellste im Laufen, hat dafür aber eine ganz besonders schöne Stimme. Oder man kann ganz besonders gut zeichnen. Wichtig ist, immer wieder auf die eigenen Stärken zu schauen und diese stetig weiterzuentwickeln.

Social Media begünstigt Vergleiche

Gerade in Zeiten von Instagram und Co. ist das gar nicht so einfach. Wir schielen permanent nach allem, was uns interessanter, abgefahrener, cooler erscheint: neue Klamotten, Hobbys, Sportskills, Urlaube, bessere Stimmen, dickere Haare, dünnere Beine, profiliertere Oberarmmuskeln. Dabei wissen wir eigentlich, dass unsere Selbstzufriedenheit darunter leidet. Und wir wissen eigentlich auch, dass es immer Menschen geben wird, die auf einem Gebiet erfolgreicher sind, mehr Geld verdienen, eloquenter sind oder einfach witziger, mit Talenten gesegnet sind oder insgesamt gefühlt sozial weiter oben stehen. Mit einem Zuviel an Vergleichen kann man sich nahezu kaputt denken. Und das führt zu Neid und Missgunst, aber bestimmt nicht zu Seelenfrieden.

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Die wichtigste Lektion des Ganzen? Positive Selbstreflexion! So funktioniert sie:

1. Fragen stellen: Wer bin ich? Wer möchte ich sein?

Als Teenager fragen wir uns: Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Was sind meine Wünsche und Ziele? Stellt euch diese Fragen auch später immer wieder. Denn sie führen euch zu den Dingen, die im Leben wirklich wichtig sind: Selbstwirksamkeit und die Besinnung auf eigene Stärken und Ressourcen.

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2. Freunde stärken

Mit jedem Jahr, das wir älter werden, mit jeder Erfahrung, die wir sammeln, mit jeder weiteren Beziehung zu anderen Menschen bekommt der eigene Charakter eine tiefere Prägung. Und aus solchen Prägungen setzen sich Freundschaften zusammen: Jede einzelne Person ist wichtig und wird genau für das geschätzt, was sie ausmacht. Seid einfach ihr selbst, die anderen gibt es eh schon.

3. Du bist einzigartig!

Jede Biographie ist einzigartig. Das ist das Tolle! Statt eine schlechte Kopie von anderen zu sein, konzentriert euch auf eure eigenen Talente, Fähigkeiten und positiven Eigenschaften.

4. Willst du wirklich tauschen?

Stellt euch immer wieder die Frage: Möchtet ihr wirklich tauschen? Was würde passieren, wenn ihr jemand anders wäret? Vielleicht hättet ihr dann mehr Erfolg im Beruf, aber dafür vielleicht mehr Stress, keine Kinder oder andere Dinge, die euch nicht gefallen? Eure Freundin hat mehr Geld? Na und! Freut euch für sie und seid an ihrer Seite, wenn es ihr einmal nicht so gut geht.

5. Nicht alles ist Gold, was glänzt

Okay, glaubt ihr wirklich, all die getunten Fotos der schönen und reichen Instagramer sind echt? So vieles, was da gepostet wird, scheint glamouröser, als es in Wirklichkeit ist. Macht euch das bewusst: In 98 Prozent der Fälle ist der Post genau darauf angelegt, alles im perfekten Licht erscheinen zu lassen. Es handelt sich nicht um echte Momentaufnahmen, sondern um inszenierte Selbstdarstellungen. Und sie sagen garantiert nicht aus, dass jemand ein glückliches, ausgeglichenes Leben führt. Im Gegenteil: Wer ständig das Bedürfnis hat, sich und sein Leben in dieser Art und Weise zu inszenieren, ist mit sich selbst eher sehr unzufrieden. Er heischt um die Anerkennung von außen – und das macht auf Dauer unglücklich.

Foto: Stocksy/L. Ottone (oben), plainpicture/N. Franke (unten)