Schon mal von Phubbing gehört?

Für unser Smartphone unterbrechen wir Unterhaltungen. Ständig chatten und liken wir – sogar im Schlafzimmer. Mit Folgen für unsere Beziehungen. Dafür gibt es ein neues Wort: Phubbing. Was sich genau dahinter verbirgt, erklären wir hier.

Mitten im Gespräch piepst oder brummt das Smartphone. Drangehen oder ignorieren? Das sollte man sich wirklich gut überlegen. Denn wer zu jedem Zeitpunkt mit seinem Display on air ist, sprengt damit nicht nur den Gesprächsverlauf, sondern auf Dauer auch Beziehungen. Klingt hart? Ist es auch. Die neue Wortschöpfung Phubbing macht das deutlich. Sie setzt sich aus Phone (Telefon) und Snubbing (jemanden vor den Kopf stoßen) zusammen. Und genau das tut man damit auch: Der Blick oder Klick auf das Handy in einer Gesprächssituation ist nicht nur unachtsam. Er wirkt verletzend und ignorant. Und das gefährdet auf Dauer jede Beziehung, von emotionalen Bindungen ganz zu schweigen.

Beziehungskiller Smartphone?

Das jedenfalls ist seit längerem Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Bereits 2017 gaben in einer Studie der Baylor Universität in Texas 46,3 Prozent der Befragten an, dass sie sich von ihrem Partner schon einmal wegen des Handys vernachlässigt gefühlt haben. Nicht nur das: Die permanente Konzentration aufs Smartphone ruft negative Emotionen wie Eifersucht und Misstrauen hervor.

Weniger Intimität wegen Phubbing

Ähnliche Ergebnisse bringt die 2018 von ElitePartner in Auftrag gegebene Umfrage zutage. Demnach bemängelt jedes vierte Paar, wegen der Omnipräsenz des Smartphones weniger miteinander zu sprechen. In jeder zehnten Partnerschaft gibt es deswegen häufig Streit. Acht Prozent gaben sogar zu, dass das Handy im Schlafzimmer für ein schlechteres Sexualleben sorge. Eine aktuelle Studie der niederländischen Universität Tilburg kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Das Smartphone zerstöre intime Momente, so die Forscher.

Smartphone Guide für alle Fälle!

Natürlich wäre der beste Schritt aus der „Phubbingfalle“, einfach das Handy in Gesellschaft auszuschalten – aber wir alle wissen, dass das nicht immer geht. Was also tun? Anreize für ein gesünderes Miteinander – ganz ohne Snubbing – liefert dir unser Smartphone-Knigge.

Tipp 1: Wichtige Nachrichten am Feierabend

Dein Chef, ein Kollege oder ein Kunde hat eine wichtige Nachricht angekündigt, die dich bis zu deiner Verabredung am Abend noch nicht erreicht hat. Unser Tipp: Lass dein Handy an, aber kläre dein Gegenüber auf, dass du nur ab und an auf das Smartphone schaust, weil du noch eine wichtige Arbeitsinfo erwartest. Ist diese eingetrudelt, entschuldige dich für die Unterbrechung und schalte anschließend dein Handy aus.

Tipp 2: Das Smartphone klingelt

Idealerweise gehört das Smartphone bei einem Date auf lautlos geschaltet in deine Tasche. Doch manchmal kommt es eben auf die Situation an. Niemand wird es dir übelnehmen, wenn du ans Telefon gehst, weil deine kranke Mutter, der Babysitter oder der Boss aus deinem neuen Job dich anruft. Wichtig: Erkläre vorab, warum du das Handy nicht ausgeschaltet hast. Entschuldige dich, bevor du das Gespräch annimmst und halte dich wenn möglich kurz.

Tipp 3: Konzentrierter Zuhören

Egal, ob im Schulunterricht, der Vorlesung, einer Besprechung, dem Theater oder einem Konzert – immer wenn du dich voll auf ein Thema oder eine Person fokussieren willst, solltest du sämtliche digitalen Medien ausschalten. Nur so kommt die Message des Vortragenden auch wirklich in deinem Gehirn an. Außerdem wären Handygeräusche für den Dozenten oder den Künstler einfach nur unhöflich. Übrigens: Auch die Filmerei von Konzerten ist für alle anderen um dich herum einfach nur nervig. Denn während du dein Handydisplay hochhältst, versperrst du den Menschen hinter dir die Sicht.

Tipp 4: Privates gehört nicht in die Öffentlichkeit

Dein Telefon klingelt im Bus oder in der Bahn – wenn du den Anruf annehmen musst, dann bitte doch einfach um ein Gespräch zum späteren Zeitpunkt. Unaufschiebbare Dinge sollten leise besprochen werden, damit nicht alle Insassen deines Gefährtes zum Zuhören gezwungen sind.

Tipp 5: Schaffe handyfreie Zonen

Ein blinkendes Display oder ein Signalton verführt nur allzu schnell dazu, das Smartphone zu checken. Umso wichtiger ist es also, Zonen (zum Beispiel das Schlafzimmer) und Zeiträume zu schaffen, in denen das Handy in der Tasche oder fern deines Blickfeldes liegt. Übrigens: Es gibt auch Apps wie Quality Time, Offtime oder Forest, die dir helfen deine digitale Nutzungsdauer deutlich zu reduzieren.

Du möchtest am liebsten lernen, wie du deinen Unruhestifter Smartphone komplett liegen lassen kannst? Weitere Tipps liefert unser Beitrag „Digital Detox

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