Mirian Lamberth im Interview

„Chillt mal!“ Manchmal leichter gesagt als getan. Was da hilft? Sich inspirieren lassen. Zum Beispiel von Menschen aus unserer Podcast-Serie „Ganz schön krank, Leute“. Dazu gehört auch Mirian Lambert. Vor nicht allzu langer Zeit war sie als erfolgreiche Kreativ-Direktorin für einen internationalen Modekonzern in New York tätig. Eines Tages hat sie sich für einen radikalen Cut entschieden. Heute arbeitet sie als Gesundheitscoach in Berlin, verdient nur einen Bruchteil ihres alten Gehaltes und ist zufriedener denn je. 

Wie sie zu mehr Gelassenheit kam und wie diese genau aussieht, hat sie uns im Kurz-Interview verraten.


STECKBRIEF 

Alter: 50

Name: Mirian Lamberth

Gefühltes Alter: 14 (Ich befinde mich gerade in den Wechseljahren. Das fühlt sich lustigerweise ganz ähnlich an, wie in der Pubertät). 

Beruf: Gesundheitscoach

Größte Leidenschaft: Der Schlaf (Ich liebe den Moment, wenn ich gemütlich in meiner Bettwäsche versinke).

Lebensmotto: „Ich bin nicht, was ich denke.“


DER GESUNDE AUSTAUSCH  mit Mirian Lamberth

Was wolltest du als Kind werden?
Als Kind wollte ich eine Zeit lang gerne Bildhauerin werden: Als ich in der vierten oder fünften Klasse war, habe ich in den Sommerferien im Käthe-Kollwitz-Museum die Kunst des Steinmetzens gelernt. Ich war total begeistert davon, dass man so einen massiven Stein umformen kann. Meine heutige Tätigkeit ist gar nicht mal so weit entfernt davon: Inzwischen helfe ich Menschen dabei, ihre passende Form zu finden.

Kannst du spontan drei Charaktereigenschaften nennen, die dich gut beschreiben?
Humorvoll, kreativ und unvorhersehbar (im Sinne von ‚Immer für eine Überraschung gut’).

Nach welcher Devise lebst du?
Ich lebe nach der Devise des Urvertrauens. Das bedeutet, dass ich darauf vertraue, dass die Dinge schon so passieren werden, wie sie passieren sollen. Das gelingt mir zwar nicht immer, aber ich erinnere mich immer wieder ans Loslassen, statt die Dinge steuern zu wollen. 

Hast du eine Morgenroutine? Und wenn ja, wie sieht die aus?
An drei Tagen in der Woche habe ich folgende feste Routine: Ich falle um 6:45 Uhr aus dem Bett, ziehe meine Sportklamotten an, gehe auf den Bolzplatz und mache dort eine Stunde Sport. Dabei werde ich so richtig wach. Wenn ich anschließend nach Hause komme, freue mich riesig auf mein Frühstück. Erst danach startet mein Arbeitstag.

Hörst du auf die Signale deines Körpers?
Auf jeden Fall. Die Signale meines Körpers sind mir extrem wichtig. Wenn ich müde bin, versuche ich zu schlafen. Wenn ich Termine mache, versuche ich, mich nicht zu übernehmen. Schließlich arbeite ich eng mit Menschen zusammen. Dass ich ausreichend schlafe, mich gut ernähre und regelmäßig Sport mache, ist deshalb enorm wichtig. Denn nur wenn ich gut auf mich achte kann ich anderen helfen auch auf sich zu achten.

Wann fühlst du dich am wohlsten in deiner Haut?
Die ersten fünf Minuten nach dem Sport beziehungsweise nach der Yogaklasse. Dann fühle ich mich pudelwohl in meiner Haut, also quasi nach getaner Arbeit.

Wie stehst du zum Thema Jugendlichkeit?
Ich bin unglaublich inspiriert von der Jugendlichkeit, die ich aktuell erlebe. Vor allem, wenn ich an Menschen wie Greta Thunberg denke. Ich lebe in einer Patchwork-Familie und bin Mutter von zwei Stieftöchtern und zwei Töchtern. Sie sind allesamt jugendlich und zwischen 16 und 22 Jahre alt. Mit Begeisterung sehe ich, wie mutig und anders sie sind, als ich es in ihrem Alter war. Sie alle vier befinden sich auf einem super interessanten Weg und sind sehr engagiert. Das inspiriert mich ungeheuer. 

Angenommen du würdest heute deinem jüngeren Ich begegnen, was würdest du ihm raten?
Vor allem Folgendes: „Entspann dich mal!“ Ich würde meinem jüngeren Ich raten, loszulassen und die Sachen, so zu nehmen, wie sie kommen. Außerdem würde ich mir unbedingt auch noch diesen Rat mit auf den Weg geben: „Du kannst auch Nein sagen.“ Gerade wenn man jung ist, denkt man ja, man müsse allen gefallen. Man möchte geliebt werden und sagt deshalb sehr oft Ja. Dabei darf man ruhig auch langsam sein und kann sich für manche Dinge Zeit lassen. Bewusstes Neinsagen habe ich selbst erst als Erwachsene gelernt. 

Fühlst du dich heute gelassener, als noch vor zehn, zwanzig Jahren? 
Auch wenn ich auf die meisten meiner Mitmenschen eine entspannte und beruhigende Wirkung ausübe, bin ich eine Persönlichkeit, die immer leicht grundaufgeregt ist. In der ayurvedischen Lehre zähle ich zu den Vata-Typen – das ist ein Konstitutionstyp, der sich aus den Elementen Äther und Luft zusammensetzt. Ich bin also grundsätzlich ein bisschen flattrig und muss mir meine Ruheinseln bewusst erarbeiten, während das für andere ganz natürlich ist.

Hast du eine Art Gelassenheitsrezept?
Ja, alle Geräte ausschalten und analog gehen. Also ein Buch lesen, spazieren gehen, meditieren, schreiben (dann aber natürlich mit Stift und Papier) und nicht zu vergessen: das Kochen, meine größte Leidenschaft! Solche Offline-Tätigkeiten erden mich augenblicklich.

Das war noch nicht alles: Weitere Tipps für mehr Gelassenheit hat Mirian in unserem Podcast parat. Hör doch mal rein.

Mirian und René bei ihrer Podcast-Session