Digital Detox: Das Smartphone liegen lassen lernen - DAK-Gesundheit

Digital Detox: Das Smartphone liegen lassen lernen

Es gibt immer mehr Menschen, die sich gegen die Dauerbedeutsamkeit von Smartphones zur Wehr setzen. Zur Not auch mit klaren Ansagen.

Analog ist Trumpf

Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. So wie die neunte Klasse einer Oberschule in Hamburg. Vor einer Klassenreise beschlossen Eltern und Lehrer, den Schülern fünf Tage Offline-Erfahrung zu gönnen. Das stieß zunächst auf massiven Widerstand – und entpuppte sich schnell als Goldidee. Statt ständig auf ihr Smartphone zu starren, mussten sich die 14- bis 15-Jährigen jetzt mit Outdoorspielen, gemeinsamem Grillen und Kletterpartien beschäftigen. Und waren begeistert: Von den besten fünf Tagen ihres Lebens sprachen danach einige Schüler und hoffen auf baldige Wiederholung. Eigentlich war nur etwas ganz Einfaches passiert: Die Jugendlichen hatten sich mal wieder direkt miteinander beschäftigt und dabei entdeckt, wie entspannend und lustig das sein kann.

Der Griff zum Smartphone passiert unbewusst

Und tatsächlich: Langsam entwickelt sich eine Gegenbewegung zum digitalen Dauerbeschuss. Inzwischen gibt es Offline-Hotels und Offline-Restaurants. Dort dürfen Besucher ihr Smartphones nur im Flugmodus bei sich haben. Auch einige Rockmusiker haben ihre Konzerte zur handyfreien Zone erklärt: Fans müssen vor Beginn ihre Smartphones in Beuteln wegschließen. Die Mission: Sie sollen das Konzert im Hier und Jetzt erleben, statt den Augenblick mit Filmen und Posten zu verschwenden.

Zeit für Ruhe und Konzentration

Stressforscher haben längst erkannt, welche direkten Auswirkungen inflationäres Gechatte und Geposte auf uns haben kann: Permanentes Klingeln und Vibrieren unterbricht Tätigkeiten und Gedankengänge. Manchmal kann es sogar Beziehungen gefährden: Phubbing nennt sich das neue Phänomen. So wird statistisch alle 18 Minuten eine Handlung unterbrochen, um zum Smartphone zu greifen. Jugendliche sind mitunter durchgehend am Handy – und zu gar keiner anderen konzentrierten Tätigkeit mehr fähig. Die DAK-Suchtexpertin Theresa Staden sagt, dass manche Betroffene sogar ähnliche Symptome zeigen, wie sie bei einer Alkoholabhängigkeit auftreten.

Doch warum ist es so schwer, das Ding einfach mal abzuschalten? „Ich habe ständig das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen“, sagt der 17-jährige Luca. Seine Freundin Mara ergänzt: „Das Leben läuft nun mal in Gruppen und Foren ab. Da muss man dazugehören.“

Wer wissen möchte, ob er vielleicht schon suchtgefährdet ist, schaut einmal bei der Präventionshilfe vorbei.

Doch wie Luca und Mara ahnen inzwischen viele andere auch, dass sie ohne ständige Hashtags und Likes entspannter leben können. Oder sie sind überrascht von schönen Offline-Momenten – wie die Schüler aus Hamburg. Der erste Weg aus dem Dilemma: lernen, das Smartphone liegen zu lassen. Und warum sich dazu nicht von Apps unterstützen lassen? Diese tragen so bezeichnende Namen wie Checky oder Moment und sie tracken gnadenlos, wie häufig man zum Smartphone greift. Sieht man das einmal direkt in Zahlen vor sich, ist das der erste Schritt zum bewussten Umgang mit dem Gerät.

Was ihr noch tun könnt

Verabredet euch einmal im Monat zu einem Digital-Detox-Tag
An diesem Tag bleibt – egal ob in der Familie oder im Freundeskreis – das Smartphone ausgeschaltet. Stattdessen darf sich jeder im Wechsel eine Aktion überlegen, die alle zusammen an diesem Tag unternehmen: vielleicht inlineskaten auf dem Deich, gemeinsam Level 7 im Kletterwald schaffen und im Winter einen Nachmittag auf dem zugefrorenen See verbringen – mit Eishockeyschläger oder Glühwein. Oder ihr werdet kreativ und bemalt in einer Porzellanwerkstatt Geschirr in euren Lieblingsfarben.

Für die ganz Harten: ab ins Digital Detox Camp
Der Trend kommt aus Kalifornien, doch findet er auch hier immer mehr Anklang: In Digital Detox Camps zahlt man Geld dafür, offline zu gehen. Zwei Tage lang sind Mailen, Telefonieren, Chatten und Twittern ausdrücklich verboten. Stattdessen gibt es viele Tipps für einen bewussteren Umgang mit dem Leben – gemeinsames Kochen und Spielen inklusive.

Foto: Alina Kovalchuk/Unsplash